| Bärwurz - ein "Flaschengeist", der sowohl in der Hausapotheke als auch in der
Hausbar keines Waldlers fehlen darf!
Das Grundprodukt des "Hochprozentigen", die Bärwurz, gedeiht ausschließlich in
bestimmten Höhenlagen des Bayerischen Waldes und nur im Waldland wird sie auch
zur liebevoll "Bayerwald-Diesel" genannten Spirituose verarbeitet und gebrannt.
Der erdige Geschmack ist oft nicht sofort jedermanns Sache, häufiger ist es Liebe
auf den zweiten Blick, die dem "Nationalgetränk" dann aber um so heftiger entgegenlodert.
Die Bärwurz gehört zur Familie der Doldenblütler. Schon der Name weist auf ihre
Heilwirkung hin: Über Jahrhunderte wurde sie bei Erkrankungen der Gebärmutter
und zur Linderung großer Schmerzen bei schweren Geburten eingesetzt; "Bärwurz"
wurde zum volkstümlichen Ausdruck für "Gebärmutterwurz". Eine Beschreibung aus
einem Oeconomischen Lexicon von 1764 hat immer noch Gültigkeit: "Dieses Kraut
wachset gerne an bergichten Oertern und frißt das Rindvieh solches gerne, gibt
auch gute Milch davon. Die Wurzel wird mit unter den Theriac genommen."
Die Bärwurz des Bayerischen Waldes (ligusticum mutellina) ist nicht identisch mit meum athamanticum, einer in Mittelgebirgen häufigen Pflanze, die im Schrifttum gelegentlich auch
als Bärwurz bezeichnet wird. Feriengäste im Bayerischen Wald schätzen "den Bärwurz"
hauptsächlich als Schnaps mit einem ausgeprägt eigenwilligen Charakter. Die Waldler
hingegen stellen ihn weniger in ihre Hausbar, sondern ordnen ihn ihrer Hausapotheke
zu. Die reinigende und entgiftende Wirkung des Wurzelauszugs zeigt sich bei Völlegefühl,
Aufstoßen, Blähungen, Verstopfung, Koliken, Blasen-, Nieren- und Leberleiden,
bei Vergiftungen und Verschleimung der Lunge.
Bärwurz wird in Deggendorf, Schönberg und Zwiesel hergestellt, Schaubrennereien gibt es zudem in Bodenmais und Kötzting. |